EINE LANGE GESCHICHTE

Die Geschichte des Schloss Eckberg ist eng verbunden mit der Bebauung des Elbhanges zwischen Saloppe und Mordgrundbrücke, so dass wir dieses Gebiet zunächst umfassend betrachten wollen:

Die nach dem Süden offenen Hänge sollen schon seit 1660 dem Weinbau gedient haben. Als sich nach der Jahrhundertwende durch die steigende Industrialisierung Dresdens immer mehr reiche Leute in Dresden ansiedelten, kaufte ein reicher schottischer Lord, Graf von Findlater, um 1800 mehrere Weinberge auf, so dass sich sein riesiger Besitz auf o.g. Gebiet ausdehnte. Nach dem frühen Tod Findlaters 1811 wechselte der Besitz des umfangreichen Weinberggeländes mehrfach.

Das ehemalige Landhaus Findlaters wurde seit 1821 als Gaststätte genutzt und entwickelte sich zu einem beliebten Ausflugsort für Einheimische und Fremde. 1850 erwarb Prinz Albrecht von Preußen einen großen Teil des Geländes und baute sich an dieser Stelle des ehemaligen Landhauses ein repräsentatives Schloss im klassizistischen Baustil, das Schloss Albrechtsberg.

Der Bau des Schloss Albrechtsberg wurde von dem Berliner Hof- und Landbaumeister Lohse, einem Schüler Schinkels, entworfen und durchgeführt. Auch das kleine Schloss auf dem Nachbargrundstück wurde nach seinen Plänen und unter seiner Leitung für den Kammerherrn des Prinzen, Baron von Stockhausen, erbaut. Diese beiden Schlösser liegen in unmittelbarer Nachbarschaft des Schloss Eckberg.

Die Villa Stockhausen wurde 1906 von Karl August Lingner, dem Begründer des bekannten Hygienemuseums Dresden, erworben. Seit dem heißt sie im Volksmund auch Lingner-Schloss. Lingner hat 1916 sein Schloss der Stadt Dresden gestiftet, u.a. mit der Auflage, dass eine gastronomische Einrichtung geschaffen werden müsse, wo jeder Dresdner Bürger preiswert bewirtet werden soll. 1925 wurde das Schloss Albrechtsberg von der Stadt Dresden angekauft und der Park der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Stromaufwärts grenzt an das ehemalige Lingner-Schloss der ausgedehnte Park von Eckberg. Einst sollen auf diesem Gelände 2 große Dresdner Künstler ihre Weinberge gehabt haben: Melchior Dinglinger (1665-1731, zur Zeit August des Starken), der berühmte Goldschmied und Wolff Caspar von Klengel (1630-1691), Architekt, der an verschiedenen Projekten in Dresden mitwirkte als Beauftragter des Kurfürst Gregor III.

Schon im Jahr 1832 wurde Eckberg aus dem Findlaterschen Besitz gelöst und wechselte wiederholt seinen Besitzer. Das Schloss Eckberg entstand von 1859-1861 im Auftrag des Großkaufmannes Johann Souchay, so dass es damals im Volksmund auch Villa Souchay genannt wurde. Souchay verwendete einen Teil seines großen Vermögens auch für Wohltätigkeitsstiftungen in Loschwitz und erwarb sich um die Entwicklung dieses Ortes große Verdienste.

Er betraute mit den Entwürfen und der Leitung des Baues den Dresdner Architekten Christian Friedrich Arnoldt, einen der bekanntesten Schüler Gottfried Sempers, des Erbauers der Semperoper.

Arnoldt war nach ausgedehnten Studienreisen durch viele Länder Europas nach seiner Rückkehr nach Dresden bis 1885 als Professor der Baukunst an der Dresdner Kunst-Akademie tätig. Er war an zahlreichen Kirchenbauten in Sachsen beteiligt. Seine bekanntesten Dresdner Werke sind die ehemalige Kreuzschule und der nach seinen Plänen ausgeführte Umbau der Sophienkirche.

Bei dem Bau von Schloss Eckberg bediente sich Arnoldt der im Sinne seiner Zeit umgewandelten gotischen Bauweise, wobei der felsige Baugrund am Steilhang des Waldberges für diese aufstrebenden Bauformen wunderbar geeignet war.

Im starken Gegensatz zu den beiden anderen Schlössern wurde hier ganz bewusst auf Symmetrie verzichtet, vielmehr durch Türme und Erker sowie Ecken und Winkel das Gebäude stark gegliedert. Das unterstützt zum einen den malerischen Charakter der Anlage, zum anderen zeugt es aber auch von einer vortrefflichen Ausnutzung des Geländes.

Der Grundriss des Gebäudes ist so angeordnet, dass der schlanke Hauptturm (25 m hoch) auf der vorspringenden Ecke liegt und die Hauptschauseite (wie bei den beiden anderen Schlössern) sich parallel zum Fluss richtet. Durch eine hohe Mauer wird das Bauwerk nach dem südlichen Hang gestützt.

Im Haus erschließt sich eine Vorhalle mit anschließendem weiträumigem Treppenaufgang zu den Räumen des Obergeschosses, was typisch für die Zeit der späten Romantik war. Die großen Zimmer im Erdgeschoß dienten vor allem gesellschaftlichen Zwecken des herrschaftlichen Haushaltes, während im Obergeschoß die Wohnzimmer der Familie lagen. In Nebenteilen des Gebäudes und im Kellergeschoß waren die Dienerschaft sowie Wirtschaftsräume untergebracht. Die gesamte innere Ausstattung entspricht völlig dem für das Haus gewählten Baustil. Fußböden, Wandverkleidungen und Türen sind aus Holz hergestellt, einige Decken wurden in Stuck gearbeitet. Auch die damaligen Möbel sind nach Entwürfen Arnoldts nach mittelalterlichen Stilmotiven gearbeitet worden.

Bei dem Bau des Schlosses sollen dem Baumeister etliche Landsitze und Landschaftsparks (Tudorstil) als Vorbild gedient haben. So ist es ihm auch äußerst geschickt gelungen, den Wohnsitz dem Gelände anzupassen und damit ein harmonisches Zusammenklingen von Schloss- und Wirtschaftsgebäuden und Park zu erreichen.

Die Parkanlagen wurden von dem Gartenbauarchitekten H.S. Neumann entworfen. Der Großteil des 15 ha großen Geländes trägt natürlichen Laubwaldcharakter, während die Anlage um den Hauptbau bewusst dem Tudorstil angepasst ist.

In den 1870er Jahren erwarb der Handelsherr und Konsul Arthur Bruno Wunderlich das Grundstück durch Kauf. Nach dessen frühzeitigem Tod bewohnte seine Witwe das Schloss, ehe sie in das benachbarte ehemalige Weingut Dinglingers übersiedelte. Um 1920 verpachtete Frau Wunderlich den Wohnsitz an den berühmten Sänger Tino Patiera. 1925 übernahm der Dresdner Großindustrielle Dr. Ottomar Heinsius von Mayenburg, Besitzer der Leo-Werke, Schloss und Park. Die Innenräume des Obergeschosses wurden nach den Plänen seines Bruders, des Architekten von Mayenburg, zeitgemäß erneuert, wobei der Stilcharakter des unteren Bereiches vollständig bewahrt blieb.

Dr. Ottomar Heinsius von Mayenburg war ein großer Kenner und Freund der Gartenbaukunst. So wurden nach und nach im Laufe der Jahre die einzelnen Teile des Parks mit den verschiedensten Blumenpflanzen verschönert, so dass sich der einst landschaftlich angelegte Park in einen wunderschönen Blumengarten verwandelte. Die weiten Wiesenflächen wurden mit Tulpen, Narzissen und Krokussen bepflanzt. Zwischen dem Schloss und einem Nebengebäude entstand ein vertiefter Blumengarten mit Wasserbecken und plastischem Schmuck. Den steilen Elbhang ließ er in ein Alpinum ausgestalten, wo seltene Steingartenpflanzen ihren neuen Standort fanden. Die große Stützmauer der Terrasse verzierten die Gärtner mit Rosenranken in verschiedenen Farbtönen. So bot sich im Frühling, Sommer und Herbst ein wechselvolles Bild der vielfältigsten Farbnuancen.

Besonders große Anerkennung in der Stadt Dresden erwarb sich der Besitzer des Schlosses, weil er diese Blumenpracht im Frühjahr eines jeden Jahres der Öffentlichkeit zugänglich machte. Zehntausende haben das Blumenmeer dieser herrlichen Anlage Jahr für Jahr bewundert.

1932 starb von Mayenburg, seine Witwe bewohnte das Haus noch bis 1947.

Während der DDR-Zeit wurde das Schloss vorwiegend für Aktivitäten der Gewerkschaft, als Jugendbegegnungsstätte und ähnlichem genutzt. Nach der Wende ging es zurück in den Besitz der Familie von Mayenburg, die es aber verkaufte, so dass es heute im Besitz der ARGENTA-Unternehmensgruppe München ist.

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